Gesellschaft für Familienforschung in Franken e.V.

Line

 

 
 

Buchbesprechungen

Aus der Reihe: Freie Schriftenfolge

 

 

"Der Streit von 1651 zwischen der Reichsstadt Nürnberg und Kurbayern um die Landeshoheit ihrer Untertanen."
Mit Erläuterungen und Register von Dr. Werner Gebhardt


Bei dem vorliegenden Nachdruck handelt es sich um den ausführlichen Schriftsatz, mit dem eine Partei ihren Standpunkt in einer sehr wichtigen staatsrechtlichen Auseinandersetzung begründet. Dieses Werk hat den Umfang eines Buches, dem allerdings kein prägnanter Titel gegeben worden ist. Vielmehr füllten die Verfasser fast eine ganze Textseite zur Darlegung des Inhalts, der weitläufig, überdies gespickt mit lateinischen Fachausdrücken und typographisch unterteilt durch mehrere Zwischenüberschriften, vorgestellt wird.
Derartige Streitschriften sind seit dem 16. Jahrhundert als parteiliche Druckwerke entstanden. Bis zum Ende des Alten Reichs entfaltete sich hier eine ganz eigene, vielfältige Gattung, die Ausdruck einer besonderen Rechtskultur gewesen ist. Neben dem praktischen Nutzen der Vervielfältigung ging es vor allem auch darum, eine Öffentlichkeit für sich einzunehmen und die eigenen Argumente gegen diejenigen des politischen und juristischen Gegners herauszukehren. Man darf also keine objektive Darstellung eines strittigen Sachverhalts erwarten, vielmehr wird ein Standpunkt mittels vieler Beweise verteidigt und bekräftigt. Wie wertvoll derartige Zusammenfassungen sein können, zeigt dieser Nachdruck und seine inhaltliche Erschließung durch mehrere Register.

Titelbild - Freie Schriftenfolge Band 22

Denn die reichsstädtischen Ratskonsulenten, die als Verfasser der Streitschrift von 1656 anzusehen sind, konnten auf Quellen zugreifen, die ansonsten unzugänglich im Archiv lagen. Dabei handelte es sich keineswegs um irgendwelche Geheimnisse, sondern um amtliche Aufzeichnungen, die im Zuge der Verwaltungstätigkeit entstanden sind.
Der geringe Bekanntheitsgrad dieser wie vieler anderer ähnlicher Werke ist sicherlich auf die sperrigen Titel zurückzuführen.
Welcher Familienforscher würde schon zu einer Arbeit greifen, deren Titel mit folgenden Termini anhebt: Conclusio (= Folgerung, Schlußsatz), Deduktion (= Rechtserweis), Exceptiones (= Einwendung, Entgegnung), Gravamina (= Beschwerdeschrift), Manuductio (= Anweisung), Relation (= gerichtlicher Vortrag), Replicae (= Erwiderung), Rezess (= Vertrag, Auseinandersetzung), Species facti (= Darlegung des Tatbestands), Specifikation (= Einzelaufstellung), oder bei dem es heißt: Gründliche Widerlegung, Gründliche und ausführliche Gegeninformation, Grundmäßige Vorstellung, Klaglibell, Wahrhaftiger und ausführlicher Bericht - - ? Daß man es gelegentlich doch tun sollte, zeigt eindrucksvoll dieser Ab-Druck ...

 
Dr. Peter Fleischmann
Nürnberg, im Februar 2000
Geleitwort des Nachdrucks

 

 

Zum Seitenanfang

 
 Weitere Buchbesprechungen (Thema: Reichssteuerregister) 
 

 Zurück zur Publikationsübersicht        Zurück zur GFF-Homepage 

 

Line

© by Gesellschaft für Familienforschung in Franken e. V. - all rights reserved 
Kommentare, Ergänzungen und Berichtigungen zu dieser Seite richten Sie bitte an den  WebMaster.