Gesellschaft für Familienforschung in Franken e.V.

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Buchbesprechungen

von Büchern zum Thema:  Reichssteuerregister 1497

 

 

Das Reichssteuerregister von 1497 des Fürstentums Brandenburg-Ansbach- Kulmbach unterhalb Gebürgs
Gerhard Rechter

 


   Auf dem bekannten Reichstag zu Worms 1495, der sich eingehend mit der Reichsreform beschäftigte, wurde beschlossen, im ganzen Reich eine Kopfsteuer zu erheben. Diese Steuer sollte der Beschaffung von Finanzmitteln zur Bekämpfung der Türkengefahr dienen. Unter dem Namen "Gemeiner Pfennig" wurde sie allgemein bekannt. Erfreulicherweise haben sich in verschiedenen Archiven noch zahlreiche Einhebelisten erhalten. Das Interesse an diesen Steuerlisten ist seit längeren Jahren im Wachsen begriffen.
   In Franken hat Otto Puchner vor zehn Jahren das entsprechende Register für die Stadt Nürnberg publiziert, ausgewertet und daraus wichtige Schlüsse über die Bevölke-rungszahl gezogen Jahrbuch für fränkische Landesforschung Bd. 34/35, 1975, S. 909-948). Allerdings sind leider nur die entsprechenden Listen der Lorenzer Stadtseite auf uns gekommen, während die der Sebalder Stadtseite nicht erhalten geblieben sind.

Titelbild - BAND 1 

   Nun liegt eine Veröffentlichung der viel umfangreicheren Listen für das Fürstentum Ansbach und für das Fürstentum Kulmbach "unterhalb Gebürgs" vor. Der Bearbeiter, Archivrat am Staatsarchiv Nürnberg, hat keine Mühe gescheut die Register wortgetreu und in extenso abzuschreiben und abweichende Lesarten der Orts- und Personennamen anzumerken. Die Reinschriften und die Entwürfe der Register enthalten, ämterweise geordnet, die Vor- und Zunamen der zur Steuer Veranlagten, die Zahl der über 14 Jahre alten Kinder, der Dienstboten und der übrigen Familienangehörigen oder Hausgenossen, da diese auch alle steuerbar waren. In den von den einzelnen Ämtern anzufertigenden Entwürfen sind darüber hinaus meist auch die gezahlten Steuerbeträge ange-geben. Der Herausgeber hat die Einträge laufend durchnumeriert. Daraus ergibt sich für den ganzen Untersuchungsraum eine Gesamtzahl von 11970 Haushaltungen.
   Während der erste Teilband den vollständigen Abdruck der Texte von 1497 bringt, enthält der zweite Teilband (S. 499-908) der Publikation Ergänzungen, Parallelquellen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und eine statistische Auswertung. Letztere bietet Durchscbnittsberechnungen über die Größenordnungen der Haushalte, über die Zahl der Kinder, des Gesindes und der Hausgenossen. Auch ist die unterschiedliche Höhe der Steuerleistung in den einzlnen Ämtern prozentual berechnet. Am Schluß des Bandes folgen die Orts-, Namen- und Sachregister sowie 47 instruktive Kartenskizzen für jedes einzelne Amt mit den Namen der erfaßten Orte und Höfe. Eine Übersichtskarte vermittelt einen anschaulichen Gesamteindruck von den in die Steuererhebung einbezogenen Orte. Mit dieser Edition ist eine wertvolle Quelle für Untersuchungen über Familiennamen und Bevölkerungszahl, für genealogische und ortsgeschichtliche Forschungen zu bequemer Benutzung erschlossen. Anwesen nürnbergischer Untertanen, die in Orten markgräflicher Hoheit lagen, erscheinen in dem Steuerregister nicht, da die Steuererhebung zu den Rechten des einzelnen Grundherrn zählte. So sind z. B. beim Kirchdorf Regelsbach nur die Untertanen der Klöster Heilsbronn und Frauenaurach aufgeführt, nicht dagegen diejenigen des reichsstädtischen Landalmosenamtes und die des Klaraklosters in Nürnberg, da diese ihre Steuern an das Nürnberger Landsteueramt zu entrichten hatten. Bei dieser Sachlage bleiben die Einwohnerzahlen mancher Orte unvollständig. Es wäre deshalb sehr erwünscht, wenn auch die noch im Staatsarchiv Nürnberg erhaltenen Steuerregister für das Landgebiet der Reichsstadt (siehe dazu Puchner a. a. O. S. 910-912) ediert würden. Hoffen wir, daß sich Rechter auch noch dieser Arbeit unterzieht.
  Besonderes Lob verdienen die saubere Maschinenschrift und die äußere Gestaltung der beiden Teilbände. Den Einband schmückt eine Abbildung des markgräflichen Wappens aus dem sog. Ansbacher Wappenbuch (um 1490) in geschmackvoller Form.

 
Gerhard Hirschrnann
Erschienen in den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 72/1985

 

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Das Reichssteuerregister von 1497 des Fürstentums Brandenburg-Ansbach- Kulmbach oberhalb Gebürgs
Gerhard Rechter

 


    Nachdem G. Rechter vor wenigen Jahren bereits "Das Reichssteuerregister von 1497 des Fürstentums Brandenburg-Ansbach-Kulmbach unterhalb Gebürgs" vorzüglich ediert hat (vgl. meine Rez. im 92. Jahrb. d. Histor. Ver. f. Mfr., 1984/85, S. 331 f.), legt er nun auch das entsprechende Register des oberländischen Fürstentums in einer ebenso qualitätvollen Bearbeitung vor.
   Dieses Mal hat es Rechter mit einer weit weniger umfangreichen Quelle zu tun: rund 6900 Haushalte sind in dem Register verzeichnet, dagegen fast 12 000 Haushalte im unterländischen. Auch andere äußere Unterschiede fallen auf: im Gegensatz zu dem das Unterland beinhal-tenden Verzeichnis, das sowohl im Original, als auch in einer Reinschrift von 1497 vorliegt, ist das oberländische Register nur abschriftlich überliefert (Staatsarchiv Bamberg, Bayreuth. Standbücher, Nr. 6240). Dafür ist es vollständiger als jenes. Während dort doch etliche Ämter- und Klösterkomplexe fehlen (Rechter hatte diesen Mangel durch die Edition paralleler Quellen ausgleichen müssen), sind hier mit Ausnahme des Amtes Goldkronach alle oberländischen Amter, Städte und beschirmten Klöster enthalten.

Titelbild - BAND 2 

Fast 200 Seiten umfaßt die mit textkritischen Anmerkungen und sachlichen Erläuterungen versehene Edition des "Verzaichnus der personen von des gemeinen pfenings wegen" (S. 1-196). Ihr läßt der Bearb. akribisch erarbeitete Statistiken über die Haushaltsgrößen, durchschnittliche Haushaltsstärke, Kinder und Verwandte, Gesinde, Hausgenossen, Steuerlei-stung und Vornamen folgen (S. 197-240).
   Auf sie v. a. stützt sich die "Zusammenfassung der Ergebnisse" (S. XVIII-XXIV) in der Einleitung. Ohne Zweifel hat die Quelle ihren selbständigen Wert für die Erforschung des erfaßten Raumes, darüber hinaus ist sie aber auch höchst aufschlußreich im Hinblick auf einen demographischen und wirtschaftlichen Vergleich der beiden zollerischen Fürstentümer. Wie-derum kann Rechter belegen, daß nur wenige erwachsene und verheiratete Kinder im elterlichen Haushalt lebten, zum anderen aber auch nur wenige Eltern bei ihren selbständig gewordenen Kindern und deren Familien. "Die Großfamilie, verstanden als das Zusammenleben dreier Generationen unter einem Dach, stellte am Ausgang des Spätmittelalters demnach auch in den markgräflichen Oberlanden eher die Ausnahme denn die Regel dar" (S. XXI). Gemeinsamkeiten ergeben sich auch in einer (durch zeitlich unmittelbar folgende Quellen feststellbaren) hohen horizontalen Mobilität v. a. der Hintersassen auf dem Lande.
   Aber auch beträchtliche Unterschiede werden deutlich: Mehr noch als im Unterland konzentrieren sich die Haushalte in den Städten (38,6% aller Haushalte), und auch die hohen Steuervermögen (500 fl und mehr) sind in weit höherer Dichte in den Städten zu finden (über 80% solcher "Großvermögen") als im untergebirgischen Fürstentum - "nicht zuletzt wegen der fehlenden Gäulandschaften mit ihren durchaus reichen Bauern" (S. XXIII). Rechter konstruiert auch einen Zusammenhang zwischen den im Vergleich zum Unterland größeren Haushaltsstärken und der vergleichsweise strukturell schwächeren Steuerkraft, die ja ein Indikator für geringere Einkünfte ist: "... man war gezwungen zusammenzurücken, da eine Ausweitung der Landwirtschaft mit entsprechender Vermehrung der Hof stellen nicht zuletzt wegen der im Vergleich zum Unterland geringen Hofgrößen rentabel kaum möglich und zudem von der daran interessierten Schicht, den nachgeborenen Bauernsöhnen, weder rechtlich, noch finanziell zu bewältigen war" (S. XXIV). Auch die lohnabhängig in Bergbau und Eisenindustrie Beschäftigten ließen offenbar die Belegzahlen der Häuser bzw. Haushalte ansteigen.
   Auf viele Aspekte der Auswertung dieser Quelle kann hier nur am Rande hingewiesen werden. Rechter macht z. B. auf markante Unterschiede der Vornamengebung in beiden Markgraftümern aufmerksam (S. XXII f.) und auf Unterschiede der Territorial- bzw. Ämterstruktur, die aus dem Reichssteuerregister unmittelbar zu erschließen sind. Dem Genealogen, dem Namenkundler, dem mit Lokalgeschichte und dem mit markgräflicher Amtsorganisation Befaßten wird das nun geschlossen vorliegende Reichssteuerregister des größten fränkischen Territoriums noch zahlreiche neue Erkenntnisse liefern, wobei ihm die sorgfältig erstellten Namenregister (S. 247 - 336) und die Kartenskizzen im Anhang die Arbeit erheblich erleichtern werden

 
Robert Schuh
Erschienen im Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelfranken 88/89

 

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Das Reichssteuerregister von 1497 der Reichsstadt Nürnberg (und der Reichspflege Weißenburg)
Peter Fleischmann

 


    Nachdem Gerhard Rechter in den Jahren 1985/1988 das Reichssteuerregister von 1497 für das Fürstentum Brandenburg-Ansbach-Kulmbach unterhalb und oberhalb Gebürgs in drei stattlichen Bänden erschlossen und damit den familiengeschichtlichen wie demographischen Wert dieser Quelle unterstrichen hat, unterzog sich Peter Fleischmann der mühevollen Aufgabe, dieses Register für die Reichsstadt Nürnberg zu edieren.
   Die auf einem Beschluß des Wormser Reichstages von 1495 zurückgehende Erhebung einer Reichssteuer (Kopf- und Vermögensteuer) sollte der Finanzierung innerer Reformen und dem Schutz des Reiches nach außen dienen. Das ganze Unternehmen blieb jedoch auf Reichsebene Stückwerk.
   Der Nürnberger Rat entschied erst am 28. Januar 1497 über die Durchführung der Steuererhebung. Dabei sollten alle Einwohner und Hintersassen über 15 Jahre in Stadt und Land erfaßt werden. Folglich wurden die Hauptleute zur Benachrichtigung aller Steuerpflichtigen im Landgebiet verpflichtet. Wie Peter Fleischmann errechnet, waren davon S.761 Haushaltungen in 809 Dörfern betroffen (S. XIX). Die Steuererhebung dauerte für jedes der Stadtviertel etwa vier Tage, für die nördliche Landschaft volle drei Wochen.

Titelbild - BAND 4

Die Kopfsteuer von zehneinhalb Pfennigen entsprach dem halben Taglohn eines Gesellen im Bauhandwerk oder dem Neuwert eines Schuhs (S. XXII). Die reicheren Bürger hatten für 500 Gulden Vermögen einen halben Gulden und für 1000 Gulden Vermögen einen Gulden zu entrichten. Von den 712 Personen, die ein Mindestvermögen von 1000 Gulden angaben, lebten weit mehr als die Hälfte (500) in der Stadthälfte St. Sebald.
   Der besondere Wert des Reichssteuerregisters von 1497 liegt in der umfassenden Kenntnis der Namen aller Hintersassen und der Struktur des Nürnberger Einflusses auf das Landgebiet, die über die Zeit der mit dem Bayerischen Erbfolgekrieg von 1504/1505 verbundenen Veränderungen beibehalten worden ist. Als statistische Quelle gibt dieses Register Auskunft über den Umfang der Bevölkerung im Landgebiet, jedoch nur Annäherungswerte für die Reichsstadt selbst, denn bei den 8060 Personen für die Stadthälfte St. Sebald, 8523 für die Stadthälfte St. Lorenz und 1000 für Wöhrd sind die Unter-schichten nicht berücksichtigt. Sehr instruktiv ist diese Quelle zudem in verwaltungsgeschichtlicher Hinsicht. Sie erlaubt genau Einblicke in die Organisation der Hauptmannschaften in der Reichsstadt und auf dem Lande. Dementsprechend war das Stadtgebiet in acht genau abgegrenzte Stadtviertel aufgeteilt, an deren Spitze je zwei Viertelmeister mit den Amtsgeschäften bedacht worden sind. Dagegen waren die 61 Hauptmannschaften der Sebalder Hälfte und die 69 Hauptmannschaften der Lorenzer Hälfte in ihren Ausmaßen unklar definiert.
   Ein hilfreicher textkritischer Apparat sowie ein gründliches Orts-, Namens- und Sachregister runden diese sorgfältige Quellenedition ab.

 
Gerhard Ph. Wolf
Erschienen in den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Nürnberg 81/1994

 
 
 

 

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